Journal

Archiv Juli 2006
Die Oststadt im Focus.
Stadtteilzeitung im World Wide Web?
Braucht man so etwas? Braucht man neben dem ‚Stadtanzeiger Ost' der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung und den Stadtteilberichten in den Wochenblättern ‚Hallo Sonntag' und dem ‚Hannoverschen Wochenblatt' noch eine weitere Stadtteil-Berichterstattung in einem per se grenzenlosen Medium wie dem Internet?
Ja, man braucht, denn was hier entworfen und umgesetzt wird, funktioniert zwar zum einen wie eine (Monats-)Zeitung - wir berichten über aktuelle Stadtteilthemen und schreiben Stadtteilgeschichten der Oststadt, dem wahrscheinlich besten, bewegtesten und interessantesten Stadtteil Hannovers, und das vollkommen unabhängig von den großen Printmedien. Zum anderen bietet die Stadtteilwebsite www.Hannover- Oststadt.de eine Plattform für die Archivierung von (unseren) Stadtteilbeiträgen etwa zu aktuellen und früheren Fragen der Stadtteilentwicklung. Hierbei berücksichtigen wir ausdrücklich auch die Beiträge der Printmedien, um den Bürgerinnen und Bürgern so ein möglichst umfassendes Informationsangebot zur Stadtteilentwicklung - aktuell etwa zum Raschplatz und Weißekreuzplatz - und zur Stadtteilgeschichte von schier unendlicher digitaler Haltbarkeit anzubieten. Die Stadtteilzeitung im Internet steht im Stadtteilportal der Hannover Oststadt rund um die Uhr und ohne Unterbrechung zur Verfügung. Sie ist knitterfrei, naturbedingt zunächst unvollständig aber unschlagbar interessant. Wir beabsichtigen hier, ein neuartiges Medium der Informationsweitergabe und der Selbstvergewisserung im Stadtteil Hannover Oststadt, dem traditionellen Hinterm-Bahnhof-Viertel, zu schaffen.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen für das Stadtteilforum Hannover-Oststadt
Achim Sohns

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23.11.1972


Oktober 1974

Das Dorffest
von seinen Anfängen bis zum 14. Juli 2006.

Jedes Jahr im Sommer findet auf der kultigsten Dorfstraße Hannovers das "Lister Meilenfest" statt. Und das nun schon zum 32. Mal. Oder sollte man sagen: zum 34. Mal? Es kommt auf die Sichtweise an. Doch wer erinnert sich noch an die Anfänge. Die liegen im wahrsten Sinne des Wortes im Dreck. Zu Beginn der siebziger Jahre war die Alte Celler Heerstraße (so hieß die Lister Meile damals) zwischen Bahnhof und Lister Platz eine einzige riesige Baustelle. Die U-Bahn wurde gebaut. Die Hauptschlagader der Oststadt hatte sich in einen Kanal verwandelt, wenngleich auch einen wasserlosen. Und die Anlieger litten. "Wenn da einen Meter vor der Ladentür die Dampframme tobt und der Dreck von der U-Bahn-Buddelei wie ein Sandsturm in den Laden weht, da kommt doch keiner und kauft ein Buch" erzählt Klaus Eberitzsch. Viele Geschäfte gaben damals auf, weil die Kunden ausblieben. Möbel-Jörns etwa, der Elektrohändler Oberpottkamp am Weißekreuzplatz, Betten-Heuer (heute Spar- Markt) und der Kaufmann Johs Schmidt (heute Rossmann) an der Ecke Gretchenstraße. "Wir kämpften ums Überleben" sagt Eberitzsch. Und der seit 1956 in der Oststadt ansässige Buchhändler war der Motor der dortigen Geschäftsleute. So gründete er mit dem Herrenmodeausstatter Alois Bunge und dem Juwelier Wohltmann den "KAMPFBUND DER U-BAHN-ANLIEGER". Vehement bekämpften sie die Auswüchse der Baumaßnahmen, indem sie zusammen mit den Bauleitern und dem U-Bahn-Bauamt regelmäßige Baustellenbegehungen durchführten und mit ebensolcher Regelmäßigkeit auf Mängel hinwiesen. Bald war der "Kampfbund" unter den U-Bahn-Bauern gefürchtet. "Vor jeder Begehung gingen wir vorher die Baustellen durch, vom Bahnhof bis zum Lister Platz und sagten den Bauarbeitern: macht den Scheiß weg, der Eberitzsch kommt." Erzählt Klaus Scheelhaase, der damalige Leiter des U-Bahn-Bauamtes. Doch Eberitzsch hatte noch mehr in petto. "Irgendwann kam ich dann mit einem Korb in die Baubude der Chefs. Da dachten die, nun isser völlig durchgedreht. Dann hab ich den Korb ausgepackt: Brötchen, Mett, Hainhölzer - und ich habe gesagt: so, wir haben jetzt unsere hunderste Begehung, jetzt setzen wir uns mal hin und trinken einen Schnaps" erzählt er und fügt listig lächelnd hinzu: "Danach isset richtich jut jeworn." Die listigste Aktion des "Kampfbundes" war allerdings die Umbenennung der Alten Celler-Heerstraße. "Der Name war doch mit dem Knast verbunden - und diese gedankliche Verbindung wollten wir loswerden. Außerdem: erklären sie mal einem Fremden, dass es zwei Celler Straßen gibt. Aber die Stadt wollte keine Umbenennung" berichtet Eberitzsch, "also haben wir zusammen mit der Presse einen Wettbewerb gemacht, wie die Alte Celler Heerstraße heißen sollte. Wir kriegten hunderte von Vorschlägen. Einer davon war besonders klug. Der schilderte, dass es vom Bahnhof bis zum Lister Platz gut 1,5 km sind, also eine hannoversche Meile, und schlug vor: Meile zur List. Daraus wurde dann Lister Meile. Die Stadt sträubte sich noch immer. Also haben wir mit der Presse zusammengearbeitet. Wann immer und was immer auf der Alten Celler Heerstraße geschah, ob Verkehrsunfall oder Mord, dann schrieb die HP "LISTER MEILE". So haben wir die Stadt kleingekriegt." Ein Schelmenstreich mit Langzeitwirkung. Am 23. November 1972 verschwand die Alte Celler Heerstraße aus der Oststadt. Mit Pauken und Trompeten wurde am Weißekreuzplatz das Straßenschild "LISTER MEILE" aufgestellt. Die Pauken und Trompeten sind wörtlich zu nehmen, denn die "Kampfbündler" hatten eine Riesenfete zur Einweihung der Straße organisiert. Von morgens um zehn bis abends um zehn wurde auf der ganzen Meile gefeiert und der U-Bahn-Kanal damit zum Publikumsmagneten. "Wir sind in die Offensive gegangen. Wir haben den Leuten gesagt: Hier müssen sie herkommen, das müssen sie sehen. Das ist aufregend, wie so eine U-Bahn gebaut wird." Eberitzsch´s Augen leuchten beim Erzählen dieser Geschichte noch heute. Zwei Jahre später fand das erste, so genannte "Meilenfest" statt. Und seitdem jedes Jahr. So entstand aus wirtschaftlichem Existenzkampf ein Kulturevent. Ein Jahrmarkt - nicht einer der Eitelkeiten, sondern ein richtiges Dorffest. Der "Kampfbund", der heute längst "Aktion Lister Meile" heißt, ist zum Koordinator einer bunten Vielfalt an Veranstaltungen geworden, die längst von Kneipen, Vereinen und Kultureinrichtungen gesponsort bzw. durchgeführt werden. Dabei ist man sich dem Konzept noch immer treu, für jeden etwas zu bieten. Das Programm geht über Bier, Bratwurst, Kinderkarussell weit hinaus. Es gibt Theateraufführungen, Künstler stellen sich vor - und seit die Meilenfete vor sieben Jahren ihren "Generalkapellmeister" Dete Kuhlmann gefunden hat, kann man jedes Jahr erleben, welch großartige Rockbands aus Hannover kommen. Die Oststadt ist ein Dorf - und das Meilenfest ihre "Wiesn". Und das seit 32/34 Jahren, obwohl schon längst nicht mehr nach U-Bahnen gebuddelt wird. Ich werde in diesem Jahr wieder den guten hausgemachten Hannover-Rock genießen - und die Iren.
Mit dem Trinkspruch der letzteren will ich enden: Slanté (was man unter Iren als Sloatschá aussprechen sollte).
Slanté!
Wir sehen uns auf der Meile!
Zwischen dem 14. und 16. Juli 2006.
Detlef H.O. Kopmann


Der Generalkapellmeister des Hannover-Rock
und nicht der Erfinder des Lister Meile Festes - Dete Kuhlman

Detlef Kopmann führt für www.Hannover-Oststadt.de ein Exclusiv-Interview
Dete Kuhlmann kommt direkt aus Barsinghausen rein. Da hatte er mächtig viel zu tun und mich deswegen bei unserer ersten Verabredung versetzt. "Hab ich glatt verschnarcht." Was das mit Barsinghausen auf sich hat und weswegen Dete den Termin verschnarchte und was das alles mit dem Meilenfest zu tun hat, darüber unterhielten sich zwei alte Säcke am 28. Juni 2006 im Südstädter "Monopol" bei persischem Tee und Apfelschorle. Für Bier war's noch zu früh, aber das werden wir nachholen, wenn Dete am 14. Juli auf der Meile spielt. Wer ist Dete Kuhlmann? Das soll er selber sagen. Und ich werde versuchen, so wenig wie möglich reinzuquatschen.

Kopmann: Man hat Dich mal als "Generalkapellmeister" des MASCHSEE-FESTES und des "LISTER MEILEN-FESTES" bezeichnet.

Kuhlmann: Das ist gar nicht so verkehrt. Man hat mich auch mal als den "Dompteur der betrunkenen Massen" bezeichnet. Also - ich habe 1964 mit Musik angefangen, als Amateur noch. Ab 1970 dann als Profi, als Schlagzeuger - dann wollte ich auch mal singen und sie haben mich auch gelassen, das war zuerst bei der "Down-and- Under-Band". Irgendwann hat sich das ergeben, dass ich von all den alten Säcken, die nicht mehr spielen oder die schon tot sind, dass ich einer von denen bin, die überlebt haben. Aufgrund der 34 Jahre, die ich nun schon mucke und so viele Leute kenne, habe ich angefangen, Sachen zu organisieren. Das fing an im Jahr 2000, mit dem leider schon verstorbenen Ulli Eicher und mit "WELCOME TO THE WORLD", ein Benefizkonzert für krebskranke Kinder in der MHH, was wir regelmäßig veranstalten, wo auch die Scorps und Fury und Kunze mitspielen. Beim ersten Konzert hatten wir Bands zusammengetrommelt, nicht nur aus Hannover, sondern aus ganz Deutschland. Dann kam das erste Maschseefest. Da hatten wir 35 Mucker zusammen aus den verschiedensten Stilrichtungen. Das wurde ein vierstündiges Konzert von Akustikgitarre bis hin zur großen Bandbesetzung. Und als Ulli gestorben war, hab ich das in seinem Sinne weitergeführt. Daraus hat sich dann das Lister-Meilen-Fest ergeben. Im Augenblick mache ich für den ASC Barsinghausen das Programm für die Fußball-WM. Da hab ich ein Programm für 25 Tage zusammengestellt. Der ASC rief mich kurz vor der WM an und fragte mich, ob ich ein Konzept für diese Zeit habe. Denn die mussten einer polnischen Brauerei, die das Kulturprogramm für die polnische Nationalmannschaft, welche ja bekanntlich in Barsinghausen Quartier genommen hatte, gesponsort hatte, innerhalb von 48 Stunden ein Konzept für das Begleitprogramm einreichen. Ich hatte also 48 Stunden Zeit, mir was zu Fußballübertragungen mit Musik auszudenken. Ich habe dann zwei Tage tag und nacht telefoniert und dann war das Programm fertig.

Kopmann: Und was hast Du den Polen in Barsinghausen geboten?

Kuhlmann: Denen hab ich alles geboten, von Jazz, Zigeunerjazz, Rock´n Roll, Hardrock, Blues, alles. Jeden Tag was anderes. Die Barsinghäuser sind umgefallen vor Begeisterung. Zuerst haben die gedacht: Ogottogott - die Polen kommen, versteckt eure Autos, schließt die Häuser zu. Aber dann haben sie festgestellt, dass die Polen richtig nette Leute sind und dann sind sie gekommen und kommen immer noch, obwohl die Polen schon längst abgereist sind. Aber das Programm läuft weiter. Als Fußballfan finde ich es schade, dass die Polen schon draußen sind. Die waren astrein, auch die Fans. Die einzigen, die Randale gemacht haben, das waren besof- fene Ur-Barsinghäuser.

Kopmann: Wie bist Du an das Meilenfest rangekommen?

Kuhlmann: Die haben mich angesprochen. Enzo, den Wirt von der "Rumpelkammer", den kenne ich schon jahrelang. Ich hatte früher auch mal eine Kneipe in der List. Ich war kein guter Kneipenwirt, ich war mein bester Gast. Das habe ich zusammen mit meinem Schwager gemacht, der hat Fußball gespielt und ich habe gemuckt, und in der Kneipe ging´s drunter und drüber. Wenn wir dann mal kein Bier mehr hatten, dann bin ich zu Enzo rüber in die Rumpelkammer und hab gesagt: Leih mir mal ein Fass Bier. Daraus hat sich eine Freundschaft entwickelt und so vor sechs, sieben Jahren wollten die ein neues Konzept für das Meilenfest haben. Das hat Enzo vermittelt und so war ich drin.

Kopmann: Wie kommst Du an die Gruppen ran?

Kuhlmann: Naja, wenn du schon so lange im Geschäft bist, dann kennst du die Szene. Noch immer rufen mich junge Gruppen an, ob ich die irgendwo unterbringen kann. Aber da die Gastronomie auch am Boden liegt, sind die Wirte vorsichtiger geworden und nicht mehr so experimentierfreudig wie sie früher waren. Wenn ich denen komme: ich kenne ne neue Band, lasst die doch mal ne Stunde spielen, dann haben die Angst und sagen: och nee, die kennt keiner, da kommt keiner, da können wir kein Bier verkaufen. Aber ich bin ein hartnäckiger Typ. Die Musik muss ja weitergehen. Wir alten Säcke sterben langsam aus. Die meisten kriegen den Hintern nicht mehr hoch. Und wenn wir nicht mit unserer Erfahrung dafür sorgen, dass die Jungen nicht auf die Weide kommen, nur im Übungsraum rumdümpeln, um dann irgendwann aufzugeben, dann stirbt die konventionelle Rockmusik aus. Wir machen einen großen Fehler, wenn wir die nicht unterstützen. Wir sind einfach dazu verpflichtet. Wenn ich siebzig bin und kein Instrument mehr in der Hand halten kann, dann möchte ich gerne noch junge Bands sehen, die handgemachte Musik machen. Ich habe jetzt bei "WELCOME TO THE WORLD" ne junge Band aus Laatzen, die machen knallharten Rock. Die haben einen tollen Sänger dabei. Die sind so 17, 18 Jahre alt. Seitdem ich die bei "WELCOME TO THE WORLD" eingesetzt habe, sind die richtig angesagt. Die waren auch jetzt bei der Fußballfete am Waterlooplatz mit dabei. Und die sind richtig dankbar. Die lassen sich von ihren Vätern nach Wennigsen fahren, ich wohne ja jetzt in Wennigsen, plündern ihre Bandkasse und geben mir zwei Bier aus. Die haben extra darauf bestanden, dass ich nicht bezahle, und dann kriege ich noch deren CD mit Widmung. Das ist so toll, da weißte wofür du arbeitest. Und für Barsinghausen hab ich noch eine andere Truppe entdeckt, die kommen aus Gehrden. Denen hab ich da einen Auftritt verschafft. Und das werde ich immer so weitertreiben, so lange ich lebe.

Kopmann: Bei welchen Gruppen hast Du mal angefangen?

Kuhlmann: Das waren, den Namen kann ich heute noch nicht fließend aussprechen, "THE FOUR FOR TIETZ", also die vier für Tietz. Dann hab ich gespielt für "JUSTICE OF PEACE", auch ne hannoversche Band, bei der spielte schon Werner Nadolny mit und auch der spätere JANE-Chef Charly Maucher, der heute in Kanada wohnt. "JANE", das war eine Hannover-Band mit Charly und Werner und dem Peter Panka, die waren in den Siebzigern in Deutschland bekannter als Pink Floyd. Die haben Pink Floyd irgendwann Ende der Siebziger in den Charts ausgestochen. Aber bei JANE war ich nicht dabei. Ich hab bei JUSTICE getrommelt. Dann habe ich bei der ersten Jazz-Rock-Band Hannovers gespielt, der "HARVEY COOPER BAND" und bin schließlich auf eine ganz abgefahrene Schiene gekommen. Die "BOURBON SKIFFLE COMPANY" sprach mich an, für die zu spielen. Die waren in ganz Deutschland angesagt, als Band aus Hannover! Die suchten einen Waschbrettspieler. Ich wusste gar nicht, wie das geht mit dem Waschbrettspielen. Aber ich wurde irgendwann nachts um halb drei im Domi (Leine-Domizil) in einer Nacht- und Nebel-Aktion von der Theke abgekratzt und fast zwangsverpflichtet. Das war eine gute Sache, obwohl keine Sau geglaubt hatte, dass ich so eine Musik mache. Allerdings war das zuerst auch eine Kohle-Frage. Bei denen verdiente man gutes Geld und ich hatte grade nichts. Dann wurden bei denen nach und nach die Musiker ausgetauscht, der großartige Geiger Hajo Hoffmann kam dazu und plötzlich wurde die Musik bei der Boubon Skiffle Company eine ganz andere. Das war dann nicht mehr diese Country-Klappermusik, sondern da kamen plötzlich Rock- und Jazzelemente rein. Hajo Hoffmann war sieben Jahre dabei. Als Hajo dann ausfiel, da musste ich über Nacht den Frontmann und den Entertainer machen. Bei denen habe ich das Entertainement gelernt und das kommt mir heute noch zugute, wenn ich auf der Bühne stehe.

Kopmann: Zurück zum Meilenfest. Außer Dir ist noch Andy Lee dabei ...

Kuhlmann: Ja - Andy Lee mit seinen Buddy-Holly-Sachen ist dabei, dann ist "MIT 18" dabei, das ist eine Westernhagen-Coverband, auch ne hannoversche Truppe. Dann die Boubon Skiffle-Company, und klasse irische Folk-Rock-Bands. Das ist doch der große Unterschied des "Lister-Meilen-Festes" zum Altstadtfest. Du hast hier eine bunte Mischung von Musikern. Da findest Du alles, von top forty über Coverbands, kleine Formationen, Akustikgitarre, Countrymusik. Das Altstadtfest hat zwar auch mal so angefangen, aber dann sind die völlig abgestürzt. Nur noch seichte Kaufhausmusik und Kommerz, nur Top-Forty-Bands und Disk. Bei denen regiert nur noch der Kommerz. Hier ist das anders. Hier kriege ich noch unbekannte Bands auf die Bühne und das wird von den Leuten angenommen. Stell Dir vor: jeden Tag etwa drei Bands auf der Bühne. Dieses Konzept geht doch auf. Das wollen die Leute und da kommen die hin, selbst wenn's donnert und hagelt. Das Altstadtfest ist doch nur noch ein lächerlicher Abklatsch von dem, was es früher mal war.

Kopmann: Na ja, aber auf der Meile spielt auch Gunter Gabriel.

Kuhlmann: Tscha, äh, da sag ich nun mal nichts zu. Das ist nicht meine Baustelle. Aber dabei habe ich große Bauchschmerzen.

Kopmann: Der "Hannover-Rock" ist doch ein richtiger Magnet geworden.

Kuhlmann: Genau! Was ich am Meilenfest so toll finde: ich hab's gerne, wenn vor der Bühne drei Generationen stehen. Nur für eine Altersgruppe zu spielen, das ist doch langweilig. Das macht das Altstadtfest schon. Ich spiele gerne für die Alten, die kennen alle alten Songs, aber es ist wunderbar, wenn Omma und Oppa vor der Bühne stehen und sagen: Mensch Dete, wir kennen dich schon seit dreißig Jahren und hier ist unser Enkel, der ist 20 und der findet deine Musik auch o.k.

Kopmann: Der handgemachte Rock scheint doch zu überleben.

Kuhlmann: Ich habe das Gefühl, jetzt mit Vorsicht gesagt, die totale Talsohle ist jetzt durchschritten. Es gibt zwar noch nicht so viele Clubs wieder wie es mal gab. Aber er hier (er meint Ezad Darbandi, den Wirt vom Monopol) der macht gute Live-Musik, mit dem hab ich auch schon zusammengearbeitet. Also: das wächst wieder. Die jungen Leute müssen nur rangeführt werden, und wenn die erst mal drin sind, dann gibt's den Kick und die kriegen Lust am Rock. Und die musst du puschen. Die mögen noch so gut sein, wenn die sich nicht organisieren können, dann gehen die unter.

Kopmann: Also mehr Marketing?

Kuhlmann: Klar doch! Ich muss mich doch verkaufen können. Musik im Übungsraum ist keine Musik. Die hört keiner Und nach denen wird auch überhaupt nicht mehr gefragt, weil's überall nur noch die großen Events sein müssen. Wie krieg ich das Niedersachsenstadion voll und so.

Kopmann: Und heute bist Du so was wie der Marketing-Experte für den Hannover -Rock?

Kuhlmann: Kann man so sagen, ja! Dete ich danke Dir!
Jou, wir sehn uns auf der Meile auf ein Bier.
Detlef H.O. Kopmann