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Das "Königliche" Zellengefängnis



Das Gerichtsgefängnis in der Oststadt
Das "Königliche" Zellengefängnis, wie es ursprünglich hieß, wurde in den Jahren 1865-1875 unter der Leitung des Interims-Baurats Schuster als roter Backsteinbau in derben Formen und in panoptischer Bauart ausgeführt, d. h. die Zellenflügel wurden sternförmig angeordnet. Das Gebäude mit einem Eingangsbau, Verwaltungs- und drei Zellenflügeln für 274 Männer und 17 Frauen mit Kirche, Schule und Krankenstation für 13 Betten wurde an der Leonhardtstraße (ehemalige Heinrichstraße)/Alte Celler Heerstraße hinter dem Bahnhof begonnen. Damals gab es die Lister Vorstadt noch nicht. Dort befanden sich damals noch Kornfelder.

1870 präsentierte sich das Gebäude bereits formvollendet, aber erst in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts waren die Baumaßnahmen endgültig abgeschlossen. So ist es jedenfalls auf einem Lageplan in einem handgeschriebenen Büchlein über das Königliche Gerichtsgefängnis zu Hannover festgehalten. Die Zellen waren 3,80 Meter lang, 2,30 Meter breit, 2,90 Meter hoch und in drei Geschossen durch Gallerien verbunden. Es gab eine Luftheizung mit Pulsion und Ventilation. Mit dem Ende der Monarchie war das Gerichtsgefängnis allerdings auch kein "königliches" Gerichtsgefängnis zu Hannover mehr. Zu den prominentesten Gefangenen aus dieser Zeit zählen der Serienmörder Friedrich Haarmann, der dort seit dem 23. Juni 1924 einsaß, und der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Deutschlands, Ernst Thälmann, der 1937 als „Schutzhäftling“ aus Berlin überführt wurde.

Matthias Blazek
Quelle: Hannover - Führer durch die Stadt und ihre Bauten 1882

Hinweis der Redaktion: Matthias Blazek hat kürzlich ein Buch über den Hannoverschen Kaufmann und Serienmörder Friedrich „Fritz“ Haarmann geschrieben. Er hatte bis zu seiner Festnahme am 23. Juni 1924 seit 1918 nachweislich 24 junge Männer ermordet. Haarmann hat das oben beschriebene Gerichtsgefängnis erleben dürfen ...

Matthias Blazek
Haarmann und Grans

Der Fall, die Beteiligten und die Presseberichterstattung

Es war das Top-Thema in der Presse: Am 23. Juni 1924 wurde der Serienmörder Friedrich „Fritz“ Haarmann verhaftet. Er hat in den Nachkriegsjahren nachweislich 24 junge Männer in seine Wohnung gelockt und ermordet. Der als Polizeispitzel und Detektiv arbeitende Kaufmann war geständig. Er gab selbst nur 21 Morde zu. Er gestand auch nicht, die Leichenteile wenigstens teilweise verspeist zu haben. Seine Opfer lernte Haarmann im Bahnhofsmilieu kennen. In seiner Wohnung durchbiss er ihnen die Kehle oder erwürgte sie. Der Polizeispitzel war den Behörden zwar als Triebtäter bekannt, von einer Überwachung wurde aber wegen seiner Informantentätigkeit abgesehen. Erst durch einen neuen Beamten, Kriminalinspektor Hermann Lange, konnte der Fall aufgeklärt werden. Vor seiner Hinrichtung am 15. April 1925 führte der Psychiater Ernst Schultze mehrere Wochen lang Gespräche mit Haarmann. Der Fall um Haarmann wurde zum aufsehenerregendsten Kriminalfall seiner Zeit. Die genaue Zahl seiner Opfer konnte nie ermittelt werden, da Haarmann im Größenwahn und, um den Ermittlern zu gefallen, auch Morde gestand, die er nie begangen hatte und andererseits aus Scham das Töten von Kindern immer abstritt. Dieses Buch setzt neue Schwerpunkte. Hier steht weniger die Vorgeschichte im Vordergrund als die Ereignisse seit Haarmanns Festsetzung. Erstmals wird der komplette Presserummel um den „Werwolf von Hannover“ ausgewertet. Unveröffentlichte Fotos sowie neue Erkenntnisse und Quellen werden angeführt und auch Randnotizen in den Vordergrund gestellt. Als Beispiel sei der 57 Jahre alte Scharfrichter Carl Gröpler aus Magdeburg genannt, der die Fallschwertmaschine bediente, der Aufenthalt Haarmanns in der Gefangenenarbeitsstelle Jägerheide bei Celle, die verwandtschaftlichen Beziehungen Haarmanns und der Wiederaufnahmeprozess gegen Grans. Bisher in der Literatur widersprüchlich dargestellte Informationen sind in diesem Buch auf Quellen basierend abgebildet. Dem Journalisten Matthias Blazek, Jahrgang 1966, ist mit diesem Buch ein besonderes Werk gelungen, das das vorhandene Schrifttum über jenen homosexuellen Kaufmann aus Hannover, der Leid über viele Familien gebracht hat, sinnvoll ergänzt.

ISB N: 978-3-89821-967-9

ibidem, Stuttgart 2009, 152 S., 14,90 €

Erhältlich ist das Buch unter anderem bereits im
Antiquariat Mielke & Mielke GbR (bei der Marktkirche).