Die Eilenriede - Europas bedeutendster Stadtwald liegt in der Oststadt und ist über 600 Jahre alt.
Mit rund 640 Hektar verfügt Hannover über den größten Wald Europas im Herzen einer Großstadt – größer als der Hydepark in London oder der Bois de Bologne in Paris. In der Eilenriede sind neben Joggern, Spaziergängern und Fahrradfahrern eine Vielzahl von Waldtieren heimisch, darunter Rehe, Füchse, Hasen, Marder und Fledermäuse. Die „grüne Lunge“ mit ihren Spielplätzen, Liegewiesen, Teichen und Waldgaststätten gehört schon seit weit über 600 Jahren den Bürgerinnen und Bürgern Hannovers ...
An den Juni 1371 kann sich zwar kein Eilenriedebaum mehr erinnern. Einige alte Eichen, die ihre 500 Jahre auf dem Buckel haben, sollen sich aber gelegentlich überlieferte Geschichten zusäuseln, doch so genau wie das Stadtarchiv können die sich natürlich nicht äußern. Dieses hat aber schwarz auf weiß in der Hand, dass die Eilenriede seit jenem Termin den Bürgern von Hannover gehört. In einem von Herzog Albrecht von Sachsen unterfertigten Privileg wurde den „Borgheren to honovere“ damals zugestanden, dass die Eilenriede mit allem, „wat se darto heghet unde to plantet to tookende“ (was sie dazu hegen und zupflanzen als Zuwachs) „eghen blieven“ (eigen bleiben) solle. Wohl hatten schon vordem Holz aus dem Walde vor ihren Toren hereingetragen, nun aber, zum Dank für ihre Parteinahme im Erbfolgekrieg des sächsischen Herzogs und seiner Brüder gegen den Welfenherzog Magnus, konnten sie die Eilenriede rechtmäßig als die ihre betrachten. Der Lister Turm wurde bereits 1387 als Wachturm erbaut.
Wie klein und wie weit entfernt von der (selbst noch sehr kleinen) Stadt die Eilenriede vor 636 Jahren war, zeigt die nebenstehende Karte. Seit der Zeit hat sich die Fläche der Eilenriede nahezu verdoppelt. Der Name Eilenriede geht übrigens auf die ursprüngliche Bezeichnung „Eilenried“ (= nasser Erlenwald) zurück. In der „Geschichte der Residenzstadt Hannover von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart“ aus dem Jahr 1880 wurde aber noch wie folgt gemutmaßt:
„Über dieses Gehölz [Eileriede] erzählt man, dass zwei Töchter eines Grafen, Heile und Marie, es der Stadt aus Dank für die Genesung ihres aussätzigen Vaters im St. Nicolaihospiz geschenkt. Andere glauben, die Eilenriede sei der Stadt von einem Fräulein Eleonore verehrt, auch ein Graf Eiler soll so gütig gewesen sein, ferner zwei Schwestern namens Eilers. Bei der Schenkung sollen wöchentlich drei Holztage bestimmt sein an denen Arme ihren Holzbedarf unentgeltlich holten. Als man aus forstwirthschaftlicher Besorgniß die Tage auf zwei verminderte, soll des Schenkers Geist den Urhebern drohend erschienen sein, diese ließen es dann beim alten.
Der Name Eilenriede scheint entstanden zu sein aus Ried, d.i. eine sumpfige Gegend, und Eile, Eilers oder Eilert, welcher der Besitzer war. Es ward auch versucht den Namen Eilenriede von Blutigeln abzuleiten, welche sich hier fanden. Die älteste Bezeichnung war Lac-eil; Lac ist gleichbedeutend mit Moor, Ried.“
Der Räuber Jasper Hanebuth wurde 1607 im Dorf Großbuchholz geboren. Begünstigt durch die Wirren jener Zeit, wie Pest, Kriege, Besatzungen und Verwaltungsgrenzen („Vier Grenzen“ in unmittelbarer Nähe) konnte Hanebuth viele Jahre unentdeckt rauben und morden. Er soll oft am Rande der Eilenriede gesessen haben, um seinen Opfern beim Eintritt in den Wald aufzulauern, ganz in der Nähe des heutigen Zoos. 1652 wurde er festgenommen und gestand 19 Morde. Hanebuth wurde am 8. Februar 1653 in Hannover öffentlich gerädert. Der „Hanebuthwinkel“ in der Nähe des Steuerndiebs erinnert noch heute an den Übeltäter.
Im 19. Jahrhundert wandelte sich der Nutzwald in ein Naherholungsgebiet. Ende des 19. Jahrhunderts dehnte sich Hannover um die Eilenriede herum aus. Viele Städter arbeiteten und wohnten in dieser Zeit unter ungesunden Bedingungen. So begann man, Spielplätze in der frischen Waldluft anzulegen. Der heutige Sonnenspielplatz und der WAKITU Spielpark wurden bereits 1895 als familienorientierte Abhilfe angelegt.
Die Eilenriede heute beherbergt über 400 verschiedene Farn- und Blütenpflanzen-arten und mehr als 1000 verschiedene Tierarten. Um das Jahr 1493 wurde noch eine „Wolfsprämie“ von 25 Schillingen für die unter dem heimischen Vieh großen Schaden anrichtenden und in der Eilenriede damals heimischen Wölfe ausgelobt. Die „Raubtiere“ Füchse und Steinmarder sind auch heute noch häufig anzutreffen. Die Vogelwelt umfasst mehr als 90 Arten. Neben fünf heimischen Spechtarten, bauen Greifvögel wie Mäusebussard, Rotmilan, Habicht und Sperber in der Eilenriede ihre Horste.
Die „grüne Lunge“ der Oststadt und Hannovers ist ein einzigartiges Biotop mit einer wunderbaren Geschichte, die weiterlebt: Vorbei am „Sonnenspielplatz“ blickt man auf die Skulptur der beiden in Hannover geborenen Schwestern Luise von Preußen (1770 – 1811) und Frederike, Königin von Hannover (1778 – 1841), wie sie auf die prächtigen Gründerzeitfassaden der Yorkstraße schauen ... (as)
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