Archiv August 2006
Ein neues Gesicht für die Oststadt
vom Andreas-Hermes-Platz über den Raschplatz-Pavillon
bis zum Weißekreuzplatz?

Der Ideenwettbewerb der Stadt Hannover für die Oststadt
Die Planungen für den Raschplatz-Umbau (sogenannter "Realisierungswettbewerb", siehe auch unter ‚Presseschau' und ‚Unsere Oststadt' ‚Stadtteilentwicklung') waren auf den Stadtteil Oststadt bezogen schwerpunktmäßig durch die Interessen-vertretung der Geschäftsleute der Lister Meile geprägt, die den barrierefreien Zugang von der Innenstadt und insbesondere vom Bahnhof aus zu ihren Geschäften zu einer vielbesprochenen Prämisse machten (u.a. bleiben Fußgängertunnel und Fußgänger-überweg über die Berliner Allee zum Bredero-Hochhaus erhalten).
An den Realisierungswettbewerb zur Erneuerung des Gebäudekomplexes am Raschplatz war ein sogenannter "städtebaulicher Ideenteil" angefügt: Ausgehend von der Neugestaltung des Raschplatzes sollten für den jetzigen Bereich vom Andreas-Hermes-Platz über den Raschplatz-Pavillon bis zum Weißekreuzplatz langfristig angelegte Verbesserungsansätze aufgezeigt werden.
Der erste Preis im Ideenteil ging anlässlich der Sitzung des Preisgerichtes am 19. Juni an die Architekten Bahlo, Köhnke, Stosberg & Partner aus Hannover. Der dahinter stehende Entwurf sieht nun für diesen Bereich unter Bezugnahme auf den alten Stadtgrundriss vor dem Zweiten Weltkrieg eine eher dichte Bebauung mit einem neuen Gefüge von Straßen und Plätzen vor.


Der Weißekreuzplatz wird verkleinert und mit einer fünfgeschossigen einzeln stehenden Bebauung nach Süden hin abgeschlossen. Der Raschplatzpavillon wird durch einen fünfgeschossigen Neubau (Hamburger Allee/Lister Meile südlich des heutigen Gebäudes) ersetzt. Weitere Neubauten in dem Areal ergeben eine neue Häuserstruktur auf der Fläche des jetzigen Raschplatz-Pavillons bis zum Weißekreuzplatz, die der historischen Straßenführung bis zum Jahr 1945 entspricht. Damit soll es zu einer völlig neuen räumlichen Einfassung und Wahrnehmung des Andreas-Hermes-Platzes kommen. Der Rundbrunnen auf dem Andreas-Hermes-Platz bleibt erhalten und wird in einen neuen Platzraum integriert.

WWW.Hannover-Oststadt.de fragte Frau Dipl.-Ing. Gerlinde Block vom Sachgebiet Sonderplanung (OE 61.17) der Landeshauptstadt Hannover zu den Umsetzungs-aussichten des Siegerentwurfes. Wir erhielten folgende Antwort: "Die Umsetzung des Siegerentwurfes setzt voraus: - die politische Entscheidung zum weiteren Umgang mit dem bestehenden Pavillon - die Schaffung von Baurechten - die Einbindung eines Investors für die Hochbaumaßnahmen - die Bereitstellung städtischer Haushaltsmittel (z.B. in Form öffentlicher Flächen, Verkehrsflächen) Insofern lassen sich zu einem möglichen "Umsetzungsszenario" derzeit keine konkreten Aussagen treffen. Nach einem Antrag der Fraktionen von SPD/B90/Die Grünen in der Ratssitzung vom 13.07.06 soll allerdings für den vorliegenden "Ideenteil" in 2007 ein "Realisierungs-wettbewerb" durchgeführt werden, dabei "soll die verkehrliche Situation gewürdigt werden". " Die Neugestaltung des Oststädter Dreiecks steht also im Jahr 2007 mit Sicherheit in konkreter Form auf der Tagesordnung der Landeshauptstadt Hannover. Wie viel von den vorliegenden Entwürfen übrig bleibt, vermag man zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht vorherzusagen. Die zentralen Problemzonen der Oststadt stehen allerdings auf der Tagesordnung. Wichtig ist in jedem Fall, dass das vitale Kulturzentrum mit Pavillon, Mezzo, Oststadt-Bibliothek, Theaterwerkstatt, workshop Hannover u.v.m im Stadtteil erhalten bleibt. Sollte es ein andere schönere, an historische Stadtzüge angelehnte Gesichtszüge erhalten, wäre dies natürlich nur um so besser. Das Protokoll der Preisgerichtssitzung vom 19.06.2006 und weiteres Material finden Sie unter der Rubrik ‚Unsere Oststadt' ‚Stadtteilentwicklung'

Achim Sohns - Stadtteilforum Hannover-Oststadt

Weißekreuzplatz
Andreas-Hermes-Platz



Gefängniskomplex hinterm Bahnhof



Leibniz-Schule mit Gefängnismauer


Entwurf einer Neugestaltung des Raschplatzes von 1969.
Modellfoto mit freundlicher Erlaubnis des Architekturbüros BKSP
rot: Schauspielhaus - grün: Pavillon - Gelände



"Theatertreppe"
Erfolgs-Geschichte(n)
die Erste: das Kult(UR)Objekt - Der Raschplatz-Pavillon

Wie begann die Sache mit dem Raschplatz-Pavillon eigentlich? Mit dem ersten oder zweiten Meilenfest? Genau kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber da ich, aus Gifhorn kommend, zu jener Zeit gerade die Verwaltungsschule in Hannover besuchte, muss es wohl das zweite Meilenfest gewesen sein. Also 1975. Eine kleine radikale Minderheit hatte während der Meilenfete absolut keinen Bock auf Billy Mo und Blasmusik und auf Lindener Funkenmariechen. So machte diese kleine radikale Minderheit, sehr zum Ärgernis der dort schon etablierten Meilenfest-Chefplaner ein der offiziellen Veranstaltung völlig entgegen-gesetztes, ein alternatives Programm. Ich weiß gar nicht mehr, was am Anfang war, ob dort schon die Politkabarettisten "die drei Tornados" auftauchten, oder erst später, ob Walter Mossmann gegen AKWs sang (das einzige was er konnte) oder Hannes Wader mit "Cocain" auftrat (und der konnte viel mehr), das weiß ich alles nicht mehr.

Aber es herrschte in diesen wilden Siebzigern ein schöner Brauch, und der hieß:

vor sich hin rottende leerstehende Häuser sind Gemeingut und folglich instandzubesetzen.

(Wobei Instand nicht mit Instant = Convienience-Food a la Fertigsuppen oder Pulverkaffee gleichzusetzen ist.) Wer ein Gebäude instand-besetzte, der wollte es wiederherstellen, zumindest bewohnbar erhalten, also konservieren. Wir wollten erhalten, was wir hatten, bevor wir erhielten, was wir nie wollten. Die Verantwortlichen des Meilenfestes waren erbost, entrüstet. "Bevor die nicht die Schmierereien an den Wänden wegmachen, reden wir nicht mit denen" sagte einer von denen. (Ausgerechnet jener, der Jahre später die Graffities in der U-Bahn-Station Sedanstraße belobhudelte) "Das ist Untergrundkultur" hieß es da, und "die gehört in den Untergrund."

Ja, warum ausgerechnet da? Am Weißekreuzplatz?

Der üble Ruf des Bahnhofsviertels hatte in jenen Jahren die Mieten in der Oststadt ziemlich gedrückt. Es war ein fast reines Studenten-Wohnviertel geworden, mit leicht ausländischer Durchmischung. Und dann war da noch das "Blockhaus" am Weißekreuz-platz (heute ist dort ein Esotherik-Buchladen drin). Das war der ultimative Szenetreff der Oststadt. Hier trafen sich politisch Aktive und Rockmusiker, alternative Aussteiger und Junkies. Hier trafen sich auch die Filmemacher nach ihren Auftritten im Raschplatzkino und diskutierten mit ihren Fans. Die Oststadt war damals unter den nicht bürgerlich leben Wollenden richtig angesagt. Und das Blockhaus fungierte als Schmelztiegel all dieser Interessen, Ideen und Ideale. Dann kam noch die Mitfahrzentrale in der Weißekreuzstraße dazu und das Gebrauchtkaufhaus GUM. Die Defaka-Baracke lag vor der Tür, quasi im Rinnstein politisch-alternativer Aktivitäten. So deklarierte man diese Baracke just als instandzubesetzende Immobilie.

Alles weitere ist Geschichte. Ja, so muss es gewesen sein. Oder doch ganz anders? Ergeht es mir bereits wie der Westerner John Ford, dass ich zwischen Wahrheit und Legende nicht mehr unterscheiden kann? Wir waren ja noch sooooo jung .... und hatten Ideale, Träume. Wir fühlten uns als Angehörige, als tätig Mitwirkende einer globalen Weltverbesserungsmaschine. Doch halt!

"Noch immer gehen die Jahre ins Land und immer noch kämpfen wir ohne Verstand"
(sangen die "Toten Hosen")

Also schalten wir ihn ein, den Verstand und berichten die Fakten. Ursprünglich stand an jenem Fleck die Leibniz-Realschule. Und wenn man rechter Hand vom Eingang zur Oststadt-Bücherei eine nicht ganz zwei Meter breite Schneise zieht, bis zur Weißekreuzstraße, dann hat man die Zwingerstraße. Sie trennte Schule und Knast. Im südlichen Teil der Bücherei verlief die 12 Meter hohe Gefängnismauer. Und dieses Gefängnis zog sich längs der Alten Celler Heerstraße bis hin etwa zu den Raschplatz-Kinos. Von dort quer durchs Cinemaxx bis zur heutigen Fernroder Straße (die früher Leonhardstraße hieß) und zur Weißekreuzstraße (die ging ursprünglich bis zum Volgersweg).

Der Bombenkrieg zerstörte zwar das Gericht und die Leibnizschule, aber leider nicht das Gefängnis, wie Hillebrecht später bedauerte. Als der Stadtbaurat Hillebrecht 1948 sein Amt antrat hatte er bereits eine Vision und die drückte er in einem Schlagwort aus:

"Hinter dem Bahnhof muss vor dem Bahnhof werden!"

Die erste Idee, hier auf dem Knastgelände eine Attraktion für ganz Hannover und sogar für das Umland zu errichten, entstand in diesen ersten Monaten 1948. Und die Attraktion hieß: Schauspielhaus! Denn sowohl die Oper als auch die Schauburg in der Hildesheimer Straße, letztere eine der wichtigsten städtischen Bühnen, waren im Krieg zerstört worden und der Ballhof war in den fünfziger Jahren in keinster Weise für größere Theateraufführungen ausgerichtet. Dreißig Jahre lang kämpfte Hillebrecht für den Standort Raschplatz, um auf dem alten Knastgelände hinter dem Bahnhof das Schauspielhaus zu bauen. Noch der Neubau des Passerellenkomplexes zwischen Kröpke und Raschplatz plante das Schauspielhaus mit ein.

Der Treppenaufgang wurde schon mal gebaut. Er hat, von oben gesehen, die Gestalt eines Ohres. Doch die Symbolik geht noch weiter: die Skulpturen, die dort auf halber Höhe stehen, und "die Frauen aus Messina" heißen, sollen an Schillers Drama "Die Braut von Messina" erinnern. Dieser breite und künstlerisch nicht uninteressante Aufgang wirkt noch heute wie eine Theatertreppe. Und so hätte es auch sein sollen. Die Treppe hätte direkt auf den Eingang des Schauspielhauses geführt. Dennoch wurde nichts aus dem Schauspielhaus. Die Bauleute und Bagger waren schon bestellt, da kündigte die neue Landesregierung ihre bisherige Förderungszusage. Der neue Landesherr Herzog Ernst Albrecht wollte kein Schauspielhaus - hinter dem Bahnhof. Noch immer herrschten alte Vorurteile.

Es hätte alles auch ganz anders kommen können. Als der Kaufhaus-Konzern Horten 1972 an dieser Stelle ein Ladenprovisorium baute, weil das Haupthaus in der Osterstraße umgebaut wurde, schien eine rein ökonomische Nutzung vorgezeichnet. Doch Herbert Horten stellte bereits nach zwei Jahren fest, dass seine Billigkette Defaka (DEutsches FAmilien-KAufhaus. Etwa vergleichbar mit Lidl, Netto, Wal-Mart etc.) an diesem Standort nicht so lief, wie es sich die Buchhaltung erträumt hatte. Folglich machte Horten den Laden nach zwei Jahren dicht. Und der rottete nun vor sich hin. Ausgerechnet ein Juwelier aus der Königstraße: Günter Kämper, erkannte das Potential dieses Gebäudes als Forum für alternative Stadtkultur. Die Räume waren groß genug für Kleinkunst, Diskussionsforen zu alternativen Energien, freien Theatergruppen, antiautoritären Kindergärten u.v.a.m. Man hatte den Anspruch, eine komplette Gegenkultur zur vorherrschenden etablierten (groß-)bürgerlichen Kultur zu schaffen. Wir diskutierten die These vom "erweiterten Kulturbegriff", den der damalige Frankfurter Kulturdezernent Hilmar Hoffmann geprägt hatte:

"Wir müssen den bisher gültigen ästhetisch-akademischen Rahmen sprengen und die Kulturarbeit auf alle Bereiche internationaler und gesellschaftlicher Zusammenarbeit erstrecken. Kultur ist kein Privileg mehr für wenige, sondern ein Angebot für alle." (H. Hoffmann: Kultur für alle. Frankfurt 1979)

Und der Pavillon bot eine ganze Menge davon - und tut dies noch heute.

Bis es jedoch dazu kam, waren noch Hürden zu überwinden. Zwar hatte die von Kämper gegründete "Bürgerinitiative Raschplatz" alsbald die Stadt zermürbt, doch das Grundstück gehörte größtenteils der "Bredero", die auch auf dieser Straßenseite ein Hochhaus bauen wollte, was die Geschäftsleute der Oststadt ausnahmslos befürworteten. Nur das Gelände für das Schauspielhaus (heute Andreas-Hermes-Platz) hatte die Stadt behalten. 1977 entschloss sich die Stadt, die Grundstücke zu tauschen. Wenn nicht bloß für einen Appel, so denn lediglich für einen Schock Eier (das sind nach altdeutschen Maßen 12 Stück.) Die Bürgergerinitiative Raschplatz erhielt einen langfristigen Pachtvertrag. Der läuft nun im Jahre 2010 aus.
Wie es dann weitergeht, werden wir hoffentlich bald erfahren
Detlef H.O. Kopmann

Aufstieg aus Ruinen?
Der Raschplatz und sein Pavillon im Umbau.

"Schön isset nich, aba jroß" soll Kaiser Wilhelm 1913 bei der Einweihung des hannoverschen Rathauses gesagt haben. Schön isser nich, der Pavillon.Seit 1972 liegt er dort wie ein Öltanker, der kurz nach Überwinden von Bahndamm und Hochstraße vor dem Weißekreuzplatz gestrandet ist. Groß ist er zwar, aber er will noch größer werden. Hannovers bekanntestes Kulturzentrum ist in den fast dreißig Jahren seines Bestehens mächtig gewachsen.

352 öffentliche Veranstaltungen
75 Theateraufführungen
67 Diskussionen
51 Konzerte
650.000 Besucher
berichten allein die Zahlen des letzten Jahres und fügen hinzu, dass dort 150 Gruppen mehr als 1000 Treffen abhielten.

Kein Wunder, dass die 1977 gekauften Schuhe (damals schon fünf Jahre im Gebrauch) allmählich heftig drücken. Sowohl die Seminar- und Veranstaltungsräume als auch das Mezzo sind zu eng geworden (obwohl letzteres schon heute eher den Charme einer Bahnhofshalle denn den eines gemütlichen Cafés besitzt). Also soll aus- oder umgebaut werden. Ob es dabei in die Höhe oder in die Breite gehen soll, ist noch unklar.

"Pavillon XXL" lautet der Arbeitstitel des Erweiterungsprojektes. Man plant über 2010 hinaus, fasst 2020 ins Auge. Angesichts dessen wäre vielleicht ein Arbeitstitel wie "Pavillon Ground Zero" angebrachter, denn die Fertigteilplatten, aus denen der Bau 1972 provisorisch zusammengeschustert wurde, haben längst ihr Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten. Und Fertigflachbauten der Siebziger Jahre haben in letzter Zeit für unrühmliche Schlagzeilen gesorgt. Fachleute bemängeln seit Jahren die Bausubstanz. Wenn das Veranstaltungszentrum über 2010 hinaus will, sollte es auch von Grund auf neu beginnen.

So wird der Pavillon auch in den seit langem diskutierten, nun aber der Vollendung der Protophase entgegenstrebenden, Umbau des Raschplatzes einbezogen. Obwohl seitens der Stadt, außer der Präsentation der siegreichen Planungsmodelle, noch keine Einzelheiten bekannt wurden, gehen alle Planer für den Bereich "Hinterm Bahnhof" auf längere Sicht keine Zukunft für den jetzigen Pavillon-Bau. An dessen Stelle soll, so der Entwurf, ein mehrstöckiger Gebäudekomplex mit Läden und hochwertigen Wohnungen entstehen. Die Fläche zwischen Hochstraße und Pavillon und DG-Bank würde völlig neu gestaltet werden, das architektonisch und künstlerisch interessante "Ohr" (s.o. Artikel) würde bedauerlicherweise verschwinden. Dafür verschwünde aber auch endlich die Schotterwüste des Andreas-Hermes-Platzes eine leblose Barriere der Häßlichkeit, mittels derer sich die Banker damals rigoros vom Pavillon-Klientel abgrenzen wollte. Denn die setzten Sozio-Kultur mit Drogenkultur gleich und wähnten wohl, zu viel Grün könne den Haschischanbau fördern (Nein! Wirklich! Im Ernst. Ich habe diese Statements vor zehn Jahren sowohl vom Drogenbeauftragten als vom zuständigen Stadtplaner gehört). Folglich: je häßlicher der Platz desto weniger Menschen. Wozu ist ein Platz sonst nütze, wenn nicht als kommunikativer Treffpunkt? Auch hier hat die Stadt mächtig was nachzuholen. Kurz: der Hermes-Platz wird verändert, ein Gebäudekomplex dorthin gebaut, in den auch der Pavillon einziehen soll. Die Bürgerinitiative Raschplatz-Pavillon hat hier angeblich auch schon eigene Vorstellungen.

Doch die sind ebenso nebulös wie die der Stadtverwaltung. Niemand sagt was und alle schweigen sich aus. Deshalb bleibt auch mir nur zu sagen: der uns Ende Juni servierte Planungsauflauf ist noch viel zu heiß um ihn bereits essen zu können. Warten wir, bis er abgekühlt ist. Einen guten Auflauf kann man auch kalt genießen.

Detlef H.O. Kopmann
Nachruf auf Robert Gernhardt
von Detlef H.O. Kopmann

Es war der Tag, an dem Deutschland gegen Argentinien gewann. Wir hatten uns schon mit Schminke, Bier und Chips eingedeckt und waren von Superman Lehman so erschöpft, dass es nach dem Spiel kaum jemand noch bis zu den Nachrichten schaffte. Dort kam es dann, in der späten Tagesschau: Robert Gernhardt ist tot! Ausgerechnet Robär der Große. Dabei hatte er zu Beginn der WM noch so schön gedichtet:

"Ich hab es noch erlebt
Wir war'n einmal die Größten
Sollen wir fortan
Im Kick-Inferno rösten?"

Dieses Spiel hat er nicht mehr erlebt, er, der sich auf alles einen Reim machen konnte. Für uns, die wir mit "Pardon" und "Titanic" großgeworden sind, war er immer schon ein Großer. Wenige, und schon gar nicht die etablierte Kulturschickeria, hat ihn damals ernst genommen. Nun also auch noch er. Nachdem 2000 Volker Kriegel gestorben war, 2003 Bernd Pfarr und Matthias Beltz, 2004 Chlodwig Poth und im vergangenen Jahr F.K. Waechter. Welchen Nachholbedarf an Humor muss Gott haben, wenn er die ganze Satireszene auf einmal abräumt. Gibt es denn da oben überhaupt nichts zu lachen? Gut, Hanns-Dieter Hüsch ist auch im letzten Jahr gestorben, aber der war ja auch schon alt und drängte zuletzt schon arg zum Kreuze hin. Doch diese, diese Elche aus der "Neuen Frankfurter Schule" die hatten ja noch nicht einmal Respekt vor dem alten Herrn. Oder mag er gerade die Respektlosen? Jedenfalls hat ER einen besseren Geschmack als der etablierte, hochnäsige Kulturbetrieb. Doch nun höre ich auf, bevor mich der Fluch des Dichters Gernhardt trifft: "Mein Gott ist das beziehungsreich, ich glaub, ich übergeb mich gleich."

Und weil die HAZ wieder einmal einen Nachruf völlig vergurkt hat, so gibt es einen ganz persönlichen von mir.
         Jetzt haben wir den Salat!  Ich bin ein Literat